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The Heartbreakers - L.A.M.F.



badger offline
Musiklexikon
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Themenstarter
Geschlecht: männlich
Herkunft: IRELAND  sankt augustin
Alter: 63
Beiträge: 2348
Dabei seit: 08 / 2008
Private Nachricht
Betreff: The Heartbreakers - L.A.M.F.  -  Gepostet: 03.12.2017 - 19:04 Uhr  -  


vielleicht hattest du früher eine Zündapp oder Kreidler Florett und kennst das gefühl, mit überhöhter geschwindigkeit in die Kurve zu gehen.
einen herzschlag lang bist du sicher, daß du da nicht lebend rauskommst, aber dann hast du es
um einen tausendstel millimeter doch geschafft rumzukommen und du schaltest gar noch
einmal hoch, gibts nochmehr gas und... donnerst mit hochgerissenem vorderrad davon.

du warst 16, 17, 18 und trotzdem klug genug, nach dem ersten, spätestens 2., 3. versuch
deine lehren zu ziehen.
vieleicht erinnerst du dich an die namen derjenigen, die nicht so schlau waren.
Die Heartbreakers gehörten dazu.

Johnny Thunders hatte diese eben-und-eben-noch durchschleudernde gitarre schon bei
den New York Dolls gespielt, mit Jerry Nolan am drums.
Hinzu kamen Walter Lure, 2te gitarre und Billy Rath, bass.
Billy ersetzte Richard Hell, der als erfinder des ursprünglichen punk-looks gilt;
kurze struwelhaare und zerschnittene t-shirts und der dem begriff 'blank generation' prägte,
ihm später auf der gleichnamigen lp mit den Voidoids, den 'Sinnentleerten', doch noch
einen sinn gab.

Die Heartbreakers wurden sofort als einzig legitime Nachfolger der Dolls eingestuft und selbst
der sonst fast schon akademisch-neutrale Melody Maker war woche für woche voll des lobes
für das, was aus New York herüberklang;
endlich kam wieder bewegung in die degenerierte und völlig überkandidelte musikszene.

So wurden die Heartbreakers nach London eingeladen, obwohl sie zu diesem zeitpunkt noch
kein tondokument in rillen gepresst hatten. Willkommen hieß sie nicht nur der Melody Maker;
auch Sounds, NME und andere publikationen waren voll des lobes.
Clash, Stranglers, Damned, selbst die Pistols überschlugen sich mit Angeboten, support für
die Heartbreakers zu spielen.
John Peel konnte es kaum erwarten in seinem programm zumindest eine single vorzustellen.

aber dann hatte es tatsächlich für eine ganz lp auf Track gereicht;
L.A.M.F; Like-A-Mother-Fucker;
und sie war genau das, was man sich erhofft hatte:
12 mal sehr Dolls-artiger, schneller, kompromißloser rock'n'roll,
kurz, knapp, präzise; ohne jegliche überheblichkeiten und völlig frei von gematsche.

12mal schleuderten die Heartbreakers von nummer zu nummer und Johnny Thunders bewies
sich als der Anti-Gitarrenheld in einer zeit, wo die kommerziellen Gitarrenhelden oft endlose langeweile verbreiteten.
Das nämlich auch Johnny sehr gekonnt note an note und akkord an akkord fügte hat man
erst bei späterem hören nachvollzogen; es war sein stil, in die stücke reinzuschliddern
und jedesmal im letzten augenblick die kurve zu kriegen; es hat immer funktioniert
und für uns klang es so sehr viel aufregender, als das vorherrschende technisch-sterile
einschläfern, das sogenannte virtuosen lieferten.

Die Titel waren voller Nihilismus, Ablehnung und Ausweglosigkeit; gerade so, wie man
es im Thatcher-England mit seinen vielen arbeitslosen-millionen empfand:
'Born To Loose' war man ohnehin; auch ganz alleine; 'All By Myself';
auch die Mädels gingen einem auf den Keks 'Get Off The Phone'; mach dich aus der
leitung, will nicht mit dir reden.
oder, wenn schon denn schon, nicht konventionell sondern 'Pirate Love'.
Aber dann, ganz überraschend, kam die kehrseite; 'I Wanna Be Loved'; also doch,
und 'Going Steady', so hand-in-hand die Straße runterspazierend.

Mitten drin der oberhammer, 'Chinese Rocks', ursprünglich unter mithilfe von
Richard Hell und ein paar Ramones geschrieben und eine aussage, die man zuerst
nicht verstand: 'alle meine besitztümer sind im pfandhaus, denn ich brauche kohle
für diese chinesischen steine.'
das war zuerst mal eine ultimative abrockernummer; erst nach und nach verstanden
wir, daß hier die heroinabhängigkeit beschrieben wurde (der dreck hat ja viele
namen; wir kannten es als Smack, aber nicht als Chinese Rocks).

da hatten wir jetzt eine 100% rock'n'roll-scheibe, die quasi überall in den clubs und
alternativen discos gespielt wurde und die praktisch jeder aus der clique beständig auflegte,
aber sie hinterließ einen etwas schalen geschmack im mund.

tatsächlich, die Heartbreakers hatten das teufelszeug über den teich gebracht,
zwar für sich selbst, aber leider gab es genug dumme, die auf ihre art auch das
schleudern in kurven erproben wollten. Heroin verbreitete sich rasch in der szene,
in der man vorher mit Ale oder Lager ausgekommen war. an den Heartbreakers alleine
lag es allerdings nicht; überall in Großbritannien und Irland gab es wegen der
Arbeitslosigkeit und Massenverelendung große Junkiescharen.

und zu diesem zeitpunkt, kurz nach lp-veröffentlichung, waren die Heartbreakers
doch noch rausgeflogen... sie waren physisch so fertig, daß auch der erfolg sie
nicht retten konnte. zwar gingen sie noch einmal zurück nach New York, spielten
noch weitere konzerte und sogar live-alben ein, aber dann kam das ende.

Johnny Thunders spielte noch hier und da, machte eine solo-lp und flog dann
endgültig aus der kurve... Chinese Rocks. Jerry Nolan folgte nach... Smack.
Billy Rath schaffte es noch einige jahre, dann organversagen, wohl wegen...
H oder Horse oder wie immer man es nennt.

übrig geblieben ist einzig Walter Lure; er hat es tatsächlich geschafft, clean zu
werden, seine ausbildung zu beenden und, man glaubt es kaum, eine uni-
professur zu bekommen. Musik macht er aber heute wieder.

Die Heartbreakers sind einmal mit überhöhter geschwindigkeit in die kurve
gefahren und wieder lebend rausgekommen, sind 10mal gefahren, 100mal,
aber dann hats irgendwann nicht mehr geklappt.

Born To Loose, eben, was sonst!

https://www.youtube.com/watch?v=54AwVkP_8ow

übrigens hieß die band nur 'Heartbreakers'; der zusatz Johnny Thunders kam erst nach der
2. oder 3. wiederveröffentlichung. aus kommerziellen gründen... wie immer....
dachse die bellen, beißen auch!
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Shamble offline
Musiklexikon
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Geschlecht: männlich
Herkunft: keine Angabe  Frankfurt am Main
Alter: 21
Beiträge: 2418
Dabei seit: 11 / 2015
Private Nachricht
Betreff: Re: The Heartbreakers - L.A.M.F.  -  Gepostet: 03.12.2017 - 19:33 Uhr  -  
Puh, was für eine Geschichte. Was der scheiß und bei wie vielen Menschen angerichtet hat und immer noch anrichtet ist echt nicht zu fassen.
Aber die Musik ist der Wahnsinn. Punk wie ich ihn mag. Laut, Dreckig und ein Refrain zum mit gröhlen.
Danke für die Vorstellung, Badger. Die Platte landet auf dem Wunschzettel.

LG
Shamble
Dieser Post wurde 1 mal bearbeitet. Letzte Editierung: 03.12.2017 - 19:33 Uhr von Shamble.
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kraut-brain offline
Toningenieur
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Geschlecht: männlich
Herkunft: GERMANY  Reinbek
Alter: 61
Beiträge: 5726
Dabei seit: 05 / 2016
Private Nachricht
Betreff: Re: The Heartbreakers - L.A.M.F.  -  Gepostet: Gestern um 23:05 Uhr  -  
Eine wahrlich interessante Abhandlung über die Band Heartbreakers, deren Ende in der Gosse bzw. der Hölle endete, ehe das Leben für sie so richtig begann.

Der US Punk hat in der damaligen Zeit ja zahlreiche Bands wie die Dictators, Black Flag, Dead Kennedys, NY Dolls, Ramones, Misfits oder den Circle Jerks hervorgebracht. Die Liste könnte man noch endlos erweitern. Aber so richtig vom Kuchen hat keine der genannten etwas abgebissen. Erst die etwas gemäßigteren Fun Punkbands wie Lag Wagon, die von mir sehr geschätzten Bad Religion, Penny Wise, oder No FX konnten sich bei einer größeren Hörerschaft einschmeicheln und verdienten einigermaßen Geld.

Aber nun zurück zu den Heartbreakers, die mit ihrem 1977 eingespielten Album "L.A.M.F." zumindestens für eine kurze Zeit eine Duftmarke am damaligen Musikhimmel hinterlassen haben, auch wenn sie sich später nur als Randnotiz herausgestellt haben dürfte. Die 12 Musikstücke sind in meinen Augen allesamt Volltreffer, weil sie vor Energie nur so strotzen und jeweils über ein eigenes Gesicht verfügen. Es ist purer punkartiger Rock' N' Roll, der hier zelebriert wird und zu keiner Zeit beliebig oder langweilig wird und beim Autofahren geradezu zum Durchdrücken des Gaspedas einlädt.

Danke Badger für die umfassende Rezi dieser fast vergessenen Band Heartbreakers. Und ja, manchmal kann Mitgröhlen so richtig schön sein ......
Ein Tag ohne Musik ist kein schöner Tag!
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