Riverside - Wasteland (2018)

Die Polen machen zum Glück weiter

 
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Riverside - Wasteland (2018)

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Gepostet: 05.10.2018 - 17:16 Uhr  ·  #1


Riverside – Wasteland

VÖ: 28.09.2018 - InsideOut-Music

Tracklist:
1. The Day After 1:48
2. Acid Rain 6:03
3. Vale Of Tears 4:49
4. Guardian Angel 4:24
5. Lament 6:09
6. The Struggle For Survival 9:32
7. River Down Below 5:41
8. Wasteland 8:25
9. The Night Before 3:59

Gesamt: 50:50 min

Musiker:

Mariusz Duda: Vocals, Acoustic and Electric Guitar, Bass, Piccolo bass, Banjo
Michał Łapaj: Keyboards, Hammond Organ
Piotr Kozieradzki: Drums
Als Gast: Maciej Meller: Guitar

Diskografie:

Out of myself 2004
Second life syndrome 2005
Rapid eye movement 2007
Anno domini high definition 2009
Shrine of new generations slave 2011
Love, fear and the time machine 2013

Um es vorwegzunehmen: Ich bin ein großer Fan der polnischen Art-Rocker. Alle ihre bisherigen Alben (s.o.) sowie einige EPs stehen hier. Insofern sehe ich die neue Platte nicht unvoreingenommen. Nicht nur für mich war seit 2 Jahren die große Frage: kommen sie noch einmal zurück auf die Bühne? Lange war nach dem Tod von Gitarrist Piotr Grudzinski (der überraschend 2016 an Herzversagen starb) überhaupt nicht sicher, ob sie als Band weitermachen würden.

So tragisch der Tod eines Bandmitglieds und Freundes auch sein mag, am Ende ist er immer auch Chance auf eine Neuentwicklung, ein Überdenken des bisherigen Schaffens, vielleicht auch eine Neu(er)findung. Bei Wasteland haben sich die verbliebenen drei Bandmitglieder sich sowohl auf ihre Wurzeln besonnen, als auch den Blick gen Zukunft und somit auf neue Horizonte gerichtet.

Die Grundstimmung des Albums ähnelt dem Vorgänger „Love, Fear and the Time Machine“, bei leicht reduzierten Keyboardeinsätzen – zudem wirken sie kompakter und um einige langwierige Passagen und etwas Füllmaterial entschlackt. Das Wiegenlied „The Night Before“ ist diesmal ein würdiger Abschluss eines aus meiner Sicht sehr hörenswerten Albums, welches aber nicht ganz an ihre Highlights „Second life..“ oder „Anno domini..“ heranreicht.

Die Polen starten mit einem minimalistischen A-Capella-Song („The Day After“ soll eine Beziehung zum letzten Stück, „The Night Before“, darstellen, ein umgekehrter Kreisschluss).

Mit „Acid Rain“ und „Vale Of Tears“ sind typische Riverside-Rocksongs vorhanden; markant verzerrter Beginn, melodische Refrains, ein konstanter Wechsel zwischen harten und einfühlsamen Passagen. Nur die Grundstimmung erscheint diesmal noch eine Spur melancholischer und dunkler.

Gut in den Bandsound fügt sich der neue Gitarrist Maciej Meller ein, der die Band ja schon bei ihren jüngsten Live-Auftritten verstärkte. Hier und da darf er ein Solo beitragen, den Rest an Saitenarbeit erledigte Mariusz Duda diesmal im Alleingang. Mal schauen: vielleicht wird Meller demnächst ja ein vollwertiges Bandmitglied.

Ganz neu im Riverside-Musikkosmos ist das zentrale, knapp zehnminütige Instrumental „The Struggle For Survival“. Man wartet die ganze Zeit über auf den einsetzenden Gesang und ist dann aber auch überrascht, dass der Song auch ganz ohne ihn funktioniert. Wie in einer Retrospektive scheinen sich Riverside hier durch all ihre Schaffensperioden zu bewegen und klingen dabei trotzdem homogen und wegweisend.

Während anfänglich noch die kernigen Riffs dominieren, kommen im Schlussteil aber auch sphärische Art-Pop Elemente zum Tragen. "River Down Below" ist eine weitere fragile akustische Nummer, die ein wenig an Porcupine Tree und Anathema erinnert. Ein sehr zugänglicher und melodischer Song, der mit einem wunderschönen Gitarrensolo endet.

Ein Highlight ist zweifelsohne die mal wuchtige, mal fragile Rocknummer „Lament“, die durch einige Violinenparts von Gastmusiker Michał Jelonek veredelt wird.

Der epische Titeltrack erinnert mitunter an Filmmusiken aus Westernfilmen - der gute alte Morricone hat unterwegs Ian Anderson getroffen und zusammen haben sie ein leicht apokalyptisches Songthema ausgewählt.

Fazit: gut, dass die Quelle nicht versiegt und der River(side) weiter fließt.

Musik 13/15
Klang 14/15
(bezieht sich auf den Hi-Res 24bit-Download)

Lament

Vale Of Tears
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Re: Riverside - Wasteland (2018)

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Gepostet: 07.10.2018 - 13:59 Uhr  ·  #2
Eine klasse und ausführliche Rezi, die neugierig auf diese Neuerscheinung macht. Besten Dank dafür.

Riverside habe ich vor längerer Zeit durch hmc in dessen Zentralarchiv entdeckt. Seitdem sind einige Scheiben im Regal gelandet. Das sind ganz einfach Töne und Melodien, die mir sehr zusagen. Dies gilt auch für dieses Album, daher wird der Weg ins Nettetal nicht lange dauern :happy:
dan
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Re: Riverside - Wasteland (2018)

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Gepostet: 08.10.2018 - 08:20 Uhr  ·  #3
Liegt hier seit über ner Woche und muss noch gehört werden. (Wohin klebe ich nur die Sticker ? :-) )
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Re: Riverside - Wasteland (2018)

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Gepostet: 09.10.2018 - 16:10 Uhr  ·  #4
Vielen Dank für die Rezi. Kann ich so unterschreiben. Ich habe mir die DoLP inkl. CD zugelegt. Das Vinyl klingt auch sehr gut!
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Re: Riverside - Wasteland (2018)

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Gepostet: 11.10.2018 - 15:41 Uhr  ·  #5
tolle Rezi !

da macht mir das Lesen mehr Spass als das Hören :-M
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Re: Riverside - Wasteland (2018)

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Gepostet: 11.10.2018 - 16:20 Uhr  ·  #6
Eine schöne und umfassende Rezi über die neue Platte von Riverside, die sie zutreffend beschreibt. Offensichtlich sind sie bei ihrem Selbstfindungsprozess nach dem Tod von Piotr G. ein ganzes Stück weitergekommen und haben eine emotionale Platte auf den Weg gebracht.

Meine Lieblingsalben von ihnen bleiben aber "Out Of Myself" und "Second Life Syndrome"......
dan
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Re: Riverside - Wasteland (2018)

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Gepostet: 11.10.2018 - 16:29 Uhr  ·  #7
So richtig anfreunden konnte ich mich bis jetzt mit dem Teil noch nicht. Mir ist sie manchmal einfach zu "hart". Werd ihr aber noch nen paar Hörrunden geben.
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Re: Riverside - Wasteland (2018)

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Gepostet: 11.10.2018 - 17:01 Uhr  ·  #8
Zitat geschrieben von dan

So richtig anfreunden konnte ich mich bis jetzt mit dem Teil noch nicht. Mir ist sie manchmal einfach zu "hart". Werd ihr aber noch nen paar Hörrunden geben.


Echt? Kann man mal wieder sehen, wie unterschiedlich die Wahrnehmung ist. Ich finde das Album sehr gemäßigt in dieser Hinsicht.
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Re: Riverside - Wasteland (2018)

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Gepostet: 12.10.2018 - 07:00 Uhr  ·  #9
Zitat geschrieben von freaksound

tolle Rezi !

da macht mir das Lesen mehr Spass als das Hören :-M


DANKE! Tip: Dann nimm doch beim Hören einfach Ohropax :-F
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Re: Riverside - Wasteland (2018)

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Gepostet: 12.10.2018 - 07:09 Uhr  ·  #10
Zitat geschrieben von dan

So richtig anfreunden konnte ich mich bis jetzt mit dem Teil noch nicht. Mir ist sie manchmal einfach zu "hart". Werd ihr aber noch nen paar Hörrunden geben.


Also dies überrascht mich jetzt. Ich finde, dass sie nach "Anno Domini" den Härtegrad deutlich reduziert haben. Kennst du das Album? Dann dürfte das für dich ja fast unhörbar sein.
DJ
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Re: Riverside - Wasteland (2018)

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Gepostet: 19.10.2018 - 21:33 Uhr  ·  #11
@Stattmeister, nachdem ich deine Rezi gelesen habe, war ich schon sehr neugierig... und nach mittlerweile dreimaligem Hören kann ich dir nur voll und ganz zustimmen.

Riverside haben wieder einmal ein hörenswertes Album gezaubert, auch für mich deutlich ruhiger als die frühen Alben... und streckenweise sogar richtig melancholisch.

Highlight ist für mich ebenfalls Lament, außerdem Wasteland, River Down Below und The Night Before.
Sehr passend übrigens dein Vergleich von Wasteland mit Western-Filmmusiken.

Danke für diese nicht nur gut geschriebene, sondern auch gut getroffene Vorstellung.



Übrigens sind Riverside am 15.11.18 mal wieder in Oberhausen, und ich fürchte, ich werde es nicht schaffen... :(
hmc im büro
 
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Re: Riverside - Wasteland (2018)

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Gepostet: 29.10.2018 - 14:48 Uhr  ·  #12
Wunderbare Rezi.

Ich finde das Werk sehr stark.
Egal ob melanchlisch oder Bretthart, hier passt alles.
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Re: Riverside - Wasteland (2018)

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Gepostet: 15.11.2018 - 20:17 Uhr  ·  #13
Danker Stattmeister für die tolle Rezi, habe die Songs auf Youtube mal angehört und Sie gefallen mir ausserordentlich.
Da mir Riverside nicht immer gefallen, ist dies ein Album dass schon im Warenkorb liegt. Hat eine eigene Atmosphäre die mich fesselt.
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Re: Riverside - Wasteland (2018)

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Gepostet: 16.11.2018 - 08:08 Uhr  ·  #14
Freut mich, dass sie dir zusagt. Hier läuft sie auch sehr oft. Für mich mittlerweile eine der TOP3-Scheiben von ihnen.
hmc im büro
 
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Re: Riverside - Wasteland (2018)

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Gepostet: 07.01.2019 - 15:19 Uhr  ·  #15
Ich liebe das Werk. Hart empfinde ich die Musik nicht, da passt alles zusammen.
Hoffentlich bleiben die Jungs uns lange erhalten.
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Re: Riverside - Wasteland (2018)

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Gepostet: 07.03.2019 - 21:25 Uhr  ·  #16
Sie liegt jetzt auch bei mir bzw in meinem AutoCD Player :-)
Mittlerweile nach 3 Hörgänge gefällt mir das Album ordentlich gut.
Die Song sind sehr homogen zusammengefügt und dadurch ergibt sich ein kurzweilig schöner Hörgenuss.
Die "härteren" Riffs gehen gleich ins Mark und Blut über, die melodiösen Passagen sind nicht melancholisch, das was mir bei Riverside immer nicht so gefallen hat.
Es proggt auch nicht so gewaltig ausser beim starken soliden "The Struggle For Survival"
Lament, Acid Rain und River Down Below . Sind Songs die zeigen auf, was Riverside an Songwriting drauf haben und damit beweisen Sie dass die Band zum Olymp des Progrock's gehören.
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