Punk: Urväter und frühe Scheiben

 
DJ
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Punk: Urväter und frühe Scheiben

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Gepostet: 30.11.2008 - 19:25 Uhr  ·  #1
punk gehört natürlich nicht nach 'weltmusik'
(oder vielleicht doch?)

jedenfalls finde ich immer noch keine sparte punk/new wave.
wenn einer der moderatoren den gleich einzustellenden beitrag in die entsprechende spalte verschieben will, möge er das bitte tun.
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blättern im archiv: urväter und erste scheiben

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Gepostet: 30.11.2008 - 19:42 Uhr  ·  #2
Zu jeder entstehenden Musikform gibts ja eine ganze reihe von vätern und im punk wars nicht anders. als im sommer - herbst 1976 die
ersten shows der Pistols oder Clash stattfanden, war die presse (z.b.
die englische Sounds) bemüht, irgend welche einflüsse zu finden.

im juli 1976 kam die erste lp der Ramones raus und schlug wie eine bombe ein, aber sie waren nicht die urväter.
Pistols-manager Malcolm McLaren hatte auch die späten New York
Dolls vertreten; das war schon eher eine beeinflussung. um die Dolls herum gab es aber eine sehr lebendige szene von bands, die u.a. im CBGB-club in der Bowery spielten und diesen berühmt machten.

die namen der meisten dieser frühen bands werden euch nichts sagen:
die Stilettos (aus denen später Blondie wurde), Teenage Lust, Harlots of 42nd Street oder Queen Elizabeth (mit Wayne, bzw. Jayne County). Besser bekannt sind Kiss und Blue Oyster Cult, die zunächst mit zur szene gehörten. McLaren nahm das alles auf.

An anderer Stelle gab es eine rückbesinnung auf die Velvet
Underground; die hatten schon eine 3-akkorde-monotonie zelebriert,
als noch niemand darfan dachte, eine kunst daraus zu machen. I'm Waiting For The Man, Sweet Jane oder Lisa Says würden noch von vielen punks nachgespielt werden.
Auch Detroit's MC5 (Rambling Rose; Looking At You) und Stooges wurden posthum zu begründern des punk gemacht. Iggy röhrte sein I Wanna Be Your Dog oder Dirt hinaus und legte auf Raw Power dann noch mit konsequentem bekenntnis zum Titelsong oder gar
Search And Destroy nach.

Auch die völlig abgedrehten Devo und Residents, die so ziemlich alle musikalischen regeln brachen, wurden zur inspiration gehört.

die englische presse wollte aber auch irgendwelchen eigenen leuten
die vaterehren zuschieben. auf die Deviants oder Pink Fairies kam
man erst später; vorrangig fand man R'n'B-bands wie
Dr. Feelgood, Lew Lewis, Eddie & Hot Rods.
kein punk zwar, aber mehr als genug an wilder energie.
auch die Flamin' Groovies; die damals viel in England spielten und
seit immerhin 1967 kräftigen rock'n'roll alter prägung machten,
mußten herhalten.
David Bowie mit seinen Spiders From Mars und frühe Roxy Music
wurden ebenfalls verwurstet. die frühen Ultravox waren (ganz im gegensatz zu ihrem späteren musikstil) krass und dröhnend gewesen; auch an ihnen orientierte man sich.
natürlich mußten den medien auch die Stones und Who aus ihrer rotzigsten frühphase als einfluß gelten.

ein wüstes sammelsurium und ein beweis dafür, daß es keine ein-eindeutigen vorläufer gab. während ich alte Sounds und New Musical Express' durchblättere, lese ich immer wieder, wie verzweifelt man bemüht war, die schiffssegel mit wind zu füllen, damit der kahn endlich fahrt aufnehmen konnte.
vor diesem hintergrund ist es zu verstehen, daß in den plattenanzeigen jener tage die Motors, Tom Petty (!), Police und sogar das debut von
Dire Straits (!) als new wave bezeichnet wurden.
lange nicht so gut gelacht, oder?

die Saints aus Brisbane legten im Oktober 1976 mit 'I'm Stranded' die vielleicht allererste echte punk-single vor, dicht gefolgt von den
Damned (11/1976 mit New Rose und den Pistols (Anarchy In The UK, auch 11/76). die debutscheiben dieser bands, zusammen mit jenen
der Stranglers, Jam und Clash brachten ab dem frühjahr 1977 nach
und nach fleisch auf die knochen; hinzu kamen die Heartbreakers (Johnny Thunders, ex NY Dolls) mit L.A.M.F.;
die debuts von Blondie, Television, Talking Heads; die Ramones
schoben mit 'Leave Home' und 'Rocket To Russia' 1977 noch zwei
weitere lps nach und eine vielbejubelte lp der Dubliner
Radiators From Space (TV Tube Heart) läßt uns heute stolz behaupten, daß ein einziges mal in der rockgeschichte eine irische band ganz
vorne dabei war.
auch die Vibrators (eine vormalige langhaar-rock-truppe) sprang mit einer der allerersten lps auf den zug; und dann war da Lemmy mit
seinen Motorhead, den alle punks liebten, so daß sie ihn unbedingt für sich reklamieren mußten.
bei Eater saß ein 13-jähriger am drums; der 17-jährige sänger war der
opa; mit 'The Album' gehörten sie zu den allerersten startern.

das wars dann auch, was die archive mir beim durchblättern für die anfangszeit ab sommer 1976 vermelden (ein paar wenige teile hab
ich rausgelassen). bald ging es mit den ganzen
kleinen indepedent-labels los; 1977 spielten viele andere gründungs-bands vorrangig singles ein und als sie zu lp-aufnahmen fuhren, hatte sich mit den Damned eine der allerersten größen schon wieder getrennt (es folgten viele re-unions) und die Amis hatten ihre eigene mucke
re-importiert; Richard Hell & Voidolids und die Dead Boys kopierten
jetzt die Pistols.
so gehts.

schließen wir die archive für heute.
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Re: Punk: Urväter und frühe Scheiben

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Gepostet: 30.11.2008 - 19:53 Uhr  ·  #3
schönes Posting, yep, dass waren Zeiten. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ein Freund 1976 aus Paris mit den ersten Singles und Lps der hier noch unbekannten Patti Smith ankam, oder Devos "Satisfaction". Und dann kamen die Strangelers mit No more Heroes, Clashs Armageddon time und und und.

Wen ich auch besonders mochte/mag: Television Personalities mit "I know where Syd Barrett lives"

trurl
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Re: Punk: Urväter und frühe Scheiben

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Gepostet: 30.11.2008 - 20:15 Uhr  ·  #4
Ich hab mal gelesen dass Neil Young ein kleiner Ziehvater des Punk war.
Badger , ist da was dran ???
Da Johnny Rotten, Young in England Anfang ´70 live erlebt haben muss und ihn dadurch auch persönlich kennengelernt hatte, entstand dadurch eine kleine Freundschaft. Devo hatte ebenfalls Kontakt zu NY, diese hatten bei Film Human Highway Hey Hey My My beigesteuert. Recht elektronisch Punkig :klasse:

Ansonsten kenne ich mich bei Punk nicht so gut aus.
hmc
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Re: Punk: Urväter und frühe Scheiben

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Gepostet: 30.11.2008 - 20:36 Uhr  ·  #5
badger, ich hatte angefragt, in welchen Genre ich ein einsprechendes Unterformular anlegen soll, habe aber noch keine Antort erhalten.
Wo wäre der ideale Platz, Sonstiges, Rock oder wo sonst bitte?
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Re: Punk: Urväter und frühe Scheiben

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Gepostet: 30.11.2008 - 21:13 Uhr  ·  #6
@hmc: leg es als Unterforum von Rock an, da üaßt es am besten hin, fine ich

trurl
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Re: Punk: Urväter und frühe Scheiben

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Gepostet: 30.11.2008 - 21:47 Uhr  ·  #7
Zitat geschrieben von hmc
badger, ich hatte angefragt, in welchen Genre ich ein einsprechendes Unterformular anlegen soll, habe aber noch keine Antort erhalten.
Wo wäre der ideale Platz, Sonstiges, Rock oder wo sonst bitte?


ach horst, ist mir eigentlich ganz egal. zu 'jazz' würds vielleicht nicht
gerade gut passen; ich hab mir schopn mal gedacht das 'progrock'ganz gut eine unterabteilung brauchen könnte, damit die eingeschlafenen zehen wieder wach werden.

mach doch einfach; wird schon passen.
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Re: Punk: Urväter und frühe Scheiben

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Gepostet: 01.12.2008 - 08:17 Uhr  ·  #8
@Badger:

ganz wunderbar der Rückblick
(oder doch Vorschau - da gibt es durchaus noch die eine oder andere Lücke zu schließen für mich!)

witzig ja auch was der eigentliche Name des CBGB-Clubs war: "Country Bluegrass Blues and Other Music For Uplifting Gormandizers".

Du beginnst mich hier anzufixen, Da werde ich doch in einer stillen Stunde wieder geraben müßen. :8)
hmc
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Re: Punk: Urväter und frühe Scheiben

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Gepostet: 01.12.2008 - 10:53 Uhr  ·  #9
UF liegt nun im Rockbereich.
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Re: Punk: Urväter und frühe Scheiben

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Gepostet: 26.04.2012 - 16:53 Uhr  ·  #10
Interessante Zeilen gehören einfach nach oben..... 😉
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Re: Punk: Urväter und frühe Scheiben

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Gepostet: 26.04.2012 - 18:09 Uhr  ·  #11
Jo. Dennoch war Punk keine Erfindung der 70er. So traten z.B. The Music Machine Mitte der 60er auf:

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