Gong Expresso - Decadence

Dieses ist eine völlig neue Variante von Gong, die nach Fortsetzung und Entwicklung ruft.

 
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Gong Expresso - Decadence

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Gepostet: 26.03.2018 - 13:44 Uhr  ·  #1
Gong Expresso - Decadence

Gong – eine Band mit einer wechselvollen Geschichte. Im Rahmen der Canterbury-Szene im Jahre 1968 gegründet, durchlebte sie eine Reihe von Line-ups und von Stilen: Prog Rock, Space Rock, Jazz Rock, Fusion, alles war dabei.

Daevid Allen, Gilli Smyth, Didier Malherbe, Rachid Houri, das war die erste Besetzung, die 1970 das Debüt-Album "Magick Brother" veröffentlichte. 1973 war es Steve Hillage, der prägend hinzutrat, und so gaben sich im Laufe der Zeit weitere Musiker die Klinke in die Hand, Pierre Moerlen, Mireille Bauer, Allan Holdsworth, der mit Moerlen die Alben "Gazeuse"(auch unter "Expresso" veröffentlicht) und "Expresso II" als Pierre Moerlen’s Gong einspielte. Nach weiteren Side-Projekten wie Planet Gong, Mother Gong, New York Gong, Gongmaison und Gongzilla wird nun der Bogen geschlagen zu Gong Expresso. Doch von der Originalbesetzung ist niemand mehr dabei. Von Pierre Moerlen’s Gong mit oben genannten Platten musizieren jedoch tatsächlich noch Benoit Moerlen und Hansford Rowe zusammen, sowie Francois Causse, der zeitweilig mitspielte. Insofern ist dieses keine gänzlich neue Besetzung. Doch die Musik ist anders.

War die Zeit in den Siebzigern zum Beispiel stark von treibendem Jazz Rock geprägt, so auch während der Gongzilla-Zeit, so herrschen auf "Decadence" eher beschaulichere Klänge vor. Sicher, es wird noch fusioniert, aber auf sanfte Art und Weise. Der Auftakt- und Titelsong zum Beispiel fliegt dezent swingend mit einen großen Anteil Jazz dahin. Dabei nimmt der erst fünfundzwanzigjährige Julien Sandford an der Gitarre eine wichtige Stellung ein, scheint er sich doch an einer Reihe wichtiger Jazz-Gitarristen stilistisch zu orientieren. Weiteres wichtiges Merkmal dieser aktuellen Besetzung ist der Gebrauch von Vibrafon und Marimba durch Benoit Moerlen. Auch er setzt stark jazzige Akzente.

Insgesamt betrachtet, ist dieses keine Platte für alle, die a) den proggig-spacigen Ur-Gong-Sound lieben, die b) den Jazz Rock der Siebziger im Katalog der Band schätzen, denn sowohl das Experimentelle der ersten Formation als auch das kraftvoll voranpreschende der späteren fehlen hier vollends. Angesagt ist vielmehr entspanntes Zurücklehnen und Zuhören, zu einer Musik, die auf einem hohen musikalischen Level entstanden ist und die für Einige vielleicht zu sehr dahinplätschernd erscheinen mag, aber letztlich so nicht eingestuft werden sollte. Denn die Ideen werden im Augenblick kreiert, Ideen, die auf dem Zusammenfügen schöner Klänge und dem Verflechten subtiler Momente basieren. Angenehm ist dabei dieser dezent durchscheinende jazzige Aspekt, der mitnichten das ist, was ich jüngst in einer Rezension zu diesem Album las, nämlich, dass diese Musik mit dem Temperament von Smooth Jazz versehen sei. Smooth Jazz ist etwas ganz Anderes und Gong Expresso ist davon mit Sicherheit weit entfernt.

Nun, nichtsdestotrotz dürften eingefleischte Jazz-Fans wohl auch nicht auf diese Musik anspringen, sollten aber einmal beide Ohren riskieren. Denn sowohl der junge Gitarrist Sandiford ist es wert, erhört zu werden, wie auch sein filigranes Zusammenspiel mit Moerlen, das subtil spannende Akzente setzt, die vom kraftvollen Bass und einfühlsamen Spiel des Drummers brillant unterstützt werden. Dieses ist eine völlig neue Variante von Gong, die nach Fortsetzung und Entwicklung ruft. So empfehle ich, noch einen Saxofonisten hinzuziehen.


Julien Sandiford (guitar)
Benoit Moerlen (vibes, marimba)
Hansford Rowe (bass)
Francois Causse (drums, percussion)


1 Decadence
2 Zephyr
3 Toumani
4 Talisman
5 The Importance Of Common Things
6 Eastern Platinum
7 Frevo
8 God Knows


Konstrukteur & Frikadellenbändiger
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Re: Gong Expresso - Decadence

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Gepostet: 26.03.2018 - 14:29 Uhr  ·  #2
lol, meinst Du Siggy von den BBS mit "Smooth-Jazz"? Magst Du mir als Jazz-Laien mal erklären, warum das hier keiner ist.

Ansonsten, ich mag die Aufnahme auch sehr, gerade weil sie in ihrer Entspanntheit zum Zuhören zwingt.

LG
trurl
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Re: Gong Expresso - Decadence

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Gepostet: 26.03.2018 - 19:36 Uhr  ·  #3
Ich zitiere der Einfachheit halber WIKIPEDIA:

"Smooth Jazz ist eine Spielart des Jazz. Ihm wird meist instrumental orientierte Musik zugeordnet, die Elemente aus Popmusik, Blues, Soul und Jazz miteinander verbindet, wobei die Tendenz zur Popmusik stark ausgeprägt ist und das Jazzelement eher eine zurückhaltende Rolle spielt. Charakteristisch sind im Allgemeinen eingängige Hooklines mit abwechselnden instrumentalen Soloparts, unterstützt durch entspannten Groove."

Allein nur diese Beschreibung lässt die obige CD durch das Raster fallen. Vielmehr nimmt die Freizügigkeit des Jazz eine wichtige Rolle ein. Popelemente fallen eh' raus, eingängige Hooklines findet man mit Sicherheit nicht. Böse Zungen behaupten (aus meiner Sicht mit Fug und Recht), dass Smooth Jazz letztlich gar kein Jazz sei. Besser sollte man auch hier den Begriff Fusion verwenden, meinetwegen Smooth Fusion... :D

Und - richtig - BBS... :D
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Re: Gong Expresso - Decadence

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Gepostet: 26.03.2018 - 21:43 Uhr  ·  #4
Mich interessiert jetzt mal nicht so sehr, was "Smooth Jazz" ist. Vor allem sind es die Namen der Beteiligten, die mich neugierig machen. Mit Ausnahme von Julien Sandiford (mir völlig unbekannt) sind das ja alte Bekannte aus der Pierre-Moerlen-Schule, und da ich die auch schon ein paarmal live gesehen habe, kann ich mir ungefähr vorstellen, was für ein Qualitätsniveau da geboten wird.

Enttäuschungen kann man natürlich immer erleben, aber ich werde bei Gelegenheit mal reinhören. Danke für den Tipp!
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Re: Gong Expresso - Decadence

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Gepostet: 27.03.2018 - 07:29 Uhr  ·  #5
Da werde ich auch ein Ohr riskieren. Smooth Jazz geht für mich immer etwas Richtung „Fahrstuhlmusik“.
DJ
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Re: Gong Expresso - Decadence

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Gepostet: 27.03.2018 - 16:42 Uhr  ·  #6
Das "Dahinplätschernde" an dieser Art Musik stört mich ungemein und führt dazu, dass es keine Vertiefung noch ein irgendwie unvoreingenommenes Anhören dieser Scheibe geben wird. Da bin ich Radikalinski, ganz und gar.
Trotzdem Danke für die Vorstellung, bin ich doch tatsächlich im Besitz einer Scheibe (in Worten: 1) von Gong, nämlich dieser hier:



Diese wurde mir mal "verwichtelt" und sie hat ihren festen Platz im Regal. Ehrlich!

radiot grüßt! 8)
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