Januar 2019 Julia Holter - Aviary

 
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Januar 2019 Julia Holter - Aviary

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Gepostet: 31.12.2018 - 22:27 Uhr  ·  #1
Ich bin ja nun bekennender Hörer der DLF-Sendung KLANGHORIZONTE mit Michael Engelbrecht. Seit vielen Jahren lausche ich der Sendung und ein Großteil meiner Käufe der letzten 10-15 Jahre lassen sich irgendwie auf gespielte Titel innerhalb dieser Sendung zurückführen. Allein die Entdeckung der norwegischen Musikszene wäre ohne sie nie zustande gekommen. So sollte es niemanden verwundern, das auch dieser Tipp auf sie zurückzuführen ist :-)

Julia Holter ist eine 34 jährige Amerikanerin aus Los Angeles. Sie studierte am California Institute of the Arts Komposition und machte ihren Abschluss in elektronischer Musik. Seit 2008 veröffentlicht sie Musik, erst in Eigenregie als CD-Rs oder Kassette, ab 2011 bei einem Label. Außerdem erschienen schon früh einzelne Songs auf diversen Samplern. Waren die ersten Aufnahmen reine Solowerke, arbeitet sie ab dem Album "Loud City Song" (2013) mit anderen Musikern zusammen.


Aviarty (2018)


CD1
Turn the Light On - 4:16
Weather - 2:59"
Chaitius - 8:10"
Voce Simul - 6:34
Everyday Is an Emergency - 7:45
Another Dream - 6:07
I Shall Love 2 - 5:18

CD2
Underneath the Moon - 6:49
Colligere - 6:11
In Gardens' Muteness - 6:36
I Would Rather See - 4:51
Les Jeux to You - 6:18
Words I Heard - 6:39
I shall love 1 - 5:10
Why Sad Song - 6:07

Gesamtspielzeit 87:08'

Vocals, Keyboards – Julia Holter
Double Bass – Devin Hoff
Percussion – Corey Fogel
Synth, Bagpipes – Tashi Wada
Trumpet – Sarah Belle Reid
Violin – Andrew Tholl
Violin, Viola, Vocals – Dina Maccabee

Producer – Julia Holter, Kenny Gilmore
Recorded By – Julia Holter, Kenny Gilmore

Aviary (deutsch: Voliere) ist ihr fünftes Studiowerk und als Doppel-CD konzipiert. Der Titel leitet sich von dem Satz „Ich befand mich in einer Voliere voller kreischender Vögel“ aus einer Kurzgeschichte der libanesischen Schriftstellerin Etel Adnan ab und dient Julia Holter als Bild für den menschlichen Geist, in dem Erinnerungen wie Vögel herumflattern. Holter sagte, es sei ihre Absicht gewesen, Aviary zu nutzen, um über das gegenwärtige Chaos der Welt zu meditieren.

Musikalisch gibt es eine sehr bunte Mischung aus Avant-Pop, moderner Klassik, freiförmigen Klängen, schwebenden Ambientsounds und anderen Zutaten. Wer Namen mag: Björk (besonders gleich im Opener "Turn the light on"), Laurie Anderson, Meredith Monk oder Joanna Newsom fallen mir spontan als gleichgesinnte Musikerinnen ein.

Für mich ist das Album wie ein riesiges Haus mit 15 Zimmern, jedes sehr individuell ausgeschmückt Der Opener beginnt störrisch, voller Kakophonie, nur ihre Stimme gibt im Verlauf des Titels Ruhe und Richtung hinzu. "Weather" erinnert mich an 80er Jahre Post-Punk, "Chaitius" und "Voce simul" könnten einer Meredith Monk-Platte entnommen sein: Kammermusik trifft auf weiblichen Avangardegesang. Eingängiger wird es in der ausgekoppelten Single "I shall love 2". In dieser Stilvielfalt geht es munter weiter, ruhiges wechselt sich mit lautem ab, mal sind nur Stimme und Klavier, dann wieder volle Bandbesetzung zu hören. Wie schon gesagt, ein munterer Reigen voller Individualität.

Da aber Töne mehr sagen als Worte, habe ich alle Titel verlinkt. Wer reinhören mag, kann sich alles mal in der Tube anhören :-) Für mich ist diese CD auf alle Fälle eines der Highlights von 2018 und die CD wird sicher nicht allein bleiben.

trurl
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Re: Januar 2019 Julia Holter - Aviary

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Gepostet: 02.01.2019 - 21:08 Uhr  ·  #2
Hallo Andreas,

danke für die Vorstellung. Noch nie von gehört. Die Musik ist nicht leicht zugänglich und ich wage die Prognose, dass sie keine goldene Schallplatte bekommt. Spontan gefallen haben mir Voce Simul und I Would Rather See. Bei den anderen müsste ich mich nochmal richtig reinhören.
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Re: Januar 2019 Julia Holter - Aviary

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Gepostet: 02.01.2019 - 21:35 Uhr  ·  #3
Zitat geschrieben von holger_fischer

Hallo Andreas,

danke für die Vorstellung. Noch nie von gehört. Die Musik ist nicht leicht zugänglich und ich wage die Prognose, dass sie keine goldene Schallplatte bekommt. Spontan gefallen haben mir Voce Simul und I Would Rather See. Bei den anderen müsste ich mich nochmal richtig reinhören.


lol, mit den letzten beiden Alben war sie in sogar in den Charts diverser europäischer Länder :-)

Ist imho Kopfhörermusik, wo man zuhören solle, nix für nebenbei :-) Da ich solche Sachen ja sehr häufig höre, fand ich das gleich sehr zugänglich. Momentan schaue ich mir Engelbrechts 2018 Favoritenliste an, um zu sehen, wo ich nochmal nen Ohr riskieren sollte (die fetten habe ich schon auf meiner 18er Liste)

Steve Tibbetts: Life of
The Necks: Body
Low: Double Negative
Brian Eno: Music for Installations
Marianne Faithfull: Negative Capability
Nils Frahm: All Melody
Jon Hassell: Listening to Pictures
Julia Holter: Aviary
The National Jazz Trio of Scotland: Standards Vol. IV

Arve Henriksen: The Height of the Reeds
Jakob Bro: Returnings
Darren Hayman: Thankful Villages, Vol. 3
Jana Winderen: Spring Bloom in the Marginal Ice Zone
Yo La Tengo: There‘s A Riot Going On
Sonar with David Torn: Vortex
Jeff Tweedy: Warm
Jon Hopkins: Singularity
Sons of Kemet: Your Queen Is Reptile
Elina Duni: Partir
Aby Vulliamy: Spin Cycle

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Re: Januar 2019 Julia Holter - Aviary

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Gepostet: 03.01.2019 - 10:56 Uhr  ·  #4
...danke für die superbe Vorstellung und den gutverlinkten Songservice dieser auch für mich völlig unbekannten Künstlerin...

...ihre Musikwelt liegt so zwischen Laurie Anderson und Björk...gefällt mir (trotz der artifiziellen Gangart) auf Anhieb sehr gut...und Frau Holter hat ja schon einiges davor gemacht...da werde ich mal auf Prime dies und das davon im Volldurchgang mir zu Gemüte führen...
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Re: Januar 2019 Julia Holter - Aviary

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Gepostet: 03.01.2019 - 11:33 Uhr  ·  #5
@Mr. Upduff:


in Wirklichkeit ist das alles THE WHO :-) ne im Ernst, ich habe mir auch auf PRIME alles verlinkt zum Anhören und bin momentan auf der Suche nach den alten Kassetten/CDR-Aufnahmen. Der Vorgänger soll songorientierter sein.

Schön, das wir mal was gemeinsam haben ;-)

trurl
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Re: Januar 2019 Julia Holter - Aviary

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Gepostet: 03.01.2019 - 17:29 Uhr  ·  #6
Zunächst, ...eine feine Vorstellung mit treffenden Beschreibungen ("Haus mit 15 Zimmern", "Björk, Anderson"...). Eine, wie ich finde, sehr avantgardistische, streckenweise recht experimentelle Musik. Beim ersten Klanganstoß via Boxen habe ich sofort ab- und umgeschaltet auf Kopfhörer. Der Tipp war treffend.

Eine Art von Musik, bei der man sich nicht nur darauf einlassen muss, sondern auch Lust haben muss, sich darauf einzulassen. Klänge, die nicht sofort ins Ohr gehen.

***Zwischenbemerkung: gerade läuft ihr Song "Betsy Of The Roof", der mich tatsächlich ein wenig an die vor kurzem von mir vorgestellte Band Soap and Skin erinnert ***

Ansonsten: Ohne mich weiter in derartige Musik zu vertiefen - das wäre wieder eine fast neue Baustelle, welche zeitintensiv und teuer werden könnte - werde ich mir eine CD der Künstlerin anschaffen. Ich finde die Musik sehr interessant, streckenweise auch auf meinem Geschmackslevel - der Rest muss erkämpft werden. Klasse finde ich, dass es überhaupt noch einen Radiosender gibt, der derartige Musik, weit, weit weg vom Mainstreamgeblubber, spielt.
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Re: Januar 2019 Julia Holter - Aviary

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Gepostet: 03.01.2019 - 18:27 Uhr  ·  #7
Zitat geschrieben von badMoon

... Klasse finde ich, dass es überhaupt noch einen Radiosender gibt, der derartige Musik, weit, weit weg vom Mainstreamgeblubber, spielt.


aber zu welcher Sendezeit! Alle 6 Wochen in der Nacht von Freitag auf Sonnabend von 1:00 - 6:00Uhr, auch DLF hat inzwischen für solche Sachen leider keinen anständigen Sendeplatz mehr. Ab und an darf Engelbrecht aber auch die JazzFacts moderieren, die laufen Donnerstags immer.

Wenn Du Dir eine CD holen willst, sollte "have you in my wilderness" geeignet sein, die ist laut Rezis songorientierter. Ich selbst kenne sie aber noch nicht.

trurl
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Re: Januar 2019 Julia Holter - Aviary

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Gepostet: 07.01.2019 - 16:03 Uhr  ·  #8
Eine schöne Rezi mit einer perfekten Beibringung sämtlicher Songs, die mir den Einstieg in die musikalische Welt der Künstlerin ungemein erleichtert hat, zumal sie auch mir gänzlich fremd war.

Gerade die Stilvielfalt des Albums war es, durch etliche Räume des mit 15 Zimmern bestückten Hauses zu gehen und wurde auch nicht enttäuscht. Mit dem Album werde ich mich wohl ein wenig näher beschäftigen ......

Somit Danke nochmals für die Vorstellung.
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Re: Januar 2019 Julia Holter - Aviary

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Gepostet: 07.01.2019 - 18:32 Uhr  ·  #9
Kurz und bündig: Die Dame singt mir zuviel. Die Musik ist größtenteils sehr gut, also rein instrumental gesehen. Da würde ich vielleicht sogar Geld ausgeben dafür. Die längeren Stücke gefallen, manche haben so etwas ambientmäßiges. Über Julia Holter hatte ich schon öfters in einschlägigen Magazinen gelesen, aber nie etwas, außer kurz im Laden, angehört.
Aber vielleicht bringt sie mal 'ne schöne Instrumentalplatte raus, dann werde ich nochmal nachhaken.

radiot grüßt! 8)
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Re: Januar 2019 Julia Holter - Aviary

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Gepostet: 10.01.2019 - 12:39 Uhr  ·  #10
@trurl und seine Liste, ein paar unwichtige Bemerkungen dazu:

Steve Tibbetts: Life of
Von Tibbetts habe ich auch ein paar CDs, wäre sicher ein guter Kauf.

Brian Eno: Music for Installations
Ich hatte im Vorjahr eine Installation Enos im Martin-Gropius Bau Berlin besucht. Die Musik war etwas, nun ja. Ich glaube, da müsste ich nicht unbedingt tätig werden.

Nils Frahm: All Melody
https://de.wikipedia.org/wiki/Nils_Frahm#Soloaufnahmen
Der segelt ja mit seinem immensen output an CDs unter "Neoklassik". Mir ist das zu langweilig, gleichwohl alles exzellent gespielt & aufgenommen wurde. "All Melody" wurde im "Funkhaus Nalepastraße" im eigens von ihm eingerichteten Studio aufgenommen.
(Zitat MusikExpress: Frahm hat sich im historischen „Funkhaus“ in Berlin ein neues Studio eingerichtet, das viel Raum zwischen den holzvertäfelten Wänden lässt für vintage und selbst gebaute Instrumente.)
https://de.wikipedia.org/wiki/Funkhaus_Nalepastra%C3%9Fe

Jon Hassell: Listening to Pictures
Hassel gibt's hier auch, allerdings keine neueren Sachen. Interessant ist die "Power Spot" auf ECM (1983) mit Brian Eno am elektrischen Bass!

Julia Holter: Aviary
Nö, die nicht.

The National Jazz Trio of Scotland: Standards Vol. IV
Kenne ich nur dem Namen nach. Interessant?

Arve Henriksen: The Height of the Reeds
Deine Baustelle, wie ich weiß.

Jakob Bro: Returnings
Deine Baustelle, wie ich weiß.

Yo La Tengo: There‘s A Riot Going On
Ist mir zu ruhig, da braucht es Zeit, sich die CD anzuhören. Ich warte auf den Preisverfall. Also momentan kein "must have". Von YLT habe ich genug CDs.

Sonar with David Torn: Vortex
David Torn gibt es hier auch. Interessant? Sonar kenne ich nicht.


Sons of Kemet: Your Queen Is Reptile
Wird gehypt. Warum?

radiot grüßt! 8)
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