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JOBRIATH - Lonely Planet Boy (Same/Creatures Of The Street)



Guestuser
 
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Betreff: JOBRIATH - Lonely Planet Boy (Same/Creatures Of The Street)  -  Gepostet: 20.07.2007 - 10:10 Uhr  -  
JOBRIATH – Same
JOBRIATH – Creatures Of The Street

(beide Elektra Records, 1973/1974)

Aktuelle Wiederveröffentlichung:

JOBRIATH – Lonely Planet Boy
(Attack Records, 2004)


Songs:

Heartbeat
Morning Star Ship
Be Still
Space Clown
I’Maman
Street Corner Love
I Love A Good Fight
What A Pretty
Blown Away
Ecubyan
Inside
Earthling
Scumbag
Movie Queen
Dietrich/Fondyke


Der englische Begriff „epicene“ ist ein Adjektiv, manchmal auch als Substantivum gebraucht und bezeichnet im eigentlichen Sinne das Fehlen jeglicher geschlechterspezifischen Merkmale, oder aber zumindest den Verlust der Männlichkeit im Sinne von: Ein Mann mit weiblichen Charakteristiken, Androgynität: Jemand mit sowohl weiblichen wie männlichen Merkmalen, oder auch Asexualität: Das Fehlen sowohl männlicher wie weiblicher Charakteristiken. Von dieser Warte aus betrachtet muss einem der leider sehr früh verstorbene amerikanische Schauspieler, Sänger – ich nenne ihn eher: Das Gesamtkunstwerk Jobriath Boone wie ein Wesen von einem fremden Stern vorkommen. Und das ist er vielleicht auch gewesen, wenn man all den sinnlos doofen Presseberichten glauben schenken will. Einer Presse, die mit dem künstlerischen Anspruch, dem äusserlichen Eigensinn und der bisweilen arg durchtriebenen Theatralik, gepaart mit den durchaus provokativen textlichen Aussagen von Jobriath Boone so gar nichts hatte anfangen können - letztlich wohl schlicht überfordert war, weil er in keine der gängigen Schubladen passte. Dabei war doch gerade die Zeit des Ziggy Stardust, Larry Lurex und überhaupt des ganzen Glamours, der in der Popmusik Einzug gehalten hatte. Jobriath war daher zumindest eine schrille Persönlichkeit, und er war auch genügend extrovertiert veranlagt, um das zu zeigen, auszuleben. Er war aber sicherlich nicht schriller als beispielsweise auch Brian Eno von Roxy Music. Jobriath hatte Stil, wirkte auf mich faszinierend auf seine ganz eigentümliche Art und Weise, verkörperte für mich wie kaum ein Anderer den Zeitgeist von Glitzer und Glamour. Vieles, was sich mir aufgrund seiner Ausstrahlung/Performance darstellte, würde ich auf seinen schauspielerischen Hintergrund zurückführen.

Geboren als Bruce Wayne Campbell am 14. Dezember 1946 legte er sich schon in Jugendjahren den Phantasienamen Jobriath Salisbury zu, und begann, Klavier zu spielen. Er wurde festes Casting Mitglied der originalen „Hair“ Theatertruppe (als „Woof“), und zeichnete für einige wichtige musikalische Beiträge arrangementmässig verantwortlich. Dafür ernetete er durchweg positive Kritiken. Zeitgleich formierte er die Band Pidgeon, ein Hippie Rock Ensemble, das auf Decca auch eine LP veröffentlichen konnte, welche aber floppte. Später wurde Jobriath zur Armee einberufen, leidete dort als Schwuler aber sehr und landete für sechs Monate in einer psychiatrischen Militäreinrichtung. Dort begann er Stücke zu schreiben, von denen man etliche später auf seiner ersten Solo-LP würde hören können. Die entsprechenden Demo-Tapes landeten auf Umwegen auch bei Jack Holzman, welcher einen Plattenvertrag mit Elektra arrangieren konnte. Jobriath lag zu dieser Zeit als Amerikaner mit seinem ganzen Auftreten voll im Trend, denn gerade hatte der Engländer David Bowie mit seiner Ziggy Stardust Geschichte in den Staaten erste Erfolge verbuchen können. Auf diesen Trend wollte man aufspringen und schickte dazu also Jobriath ins Rennen. Damit das Ganze auch qualitativ auf höchstem Niveau stand, verpflichtete Jerry Brandt, der damalige Präsident von Elektra Records, hochkarätige Musiker zur Einspielung der Songs. So zum Beispiel Gitarrist Peter Frampton, oder Led Zeppelin Bassist John Paul Jones. Später dann wurden vielen Stücken auch noch Streicher beigemischt, und die wurden vom London Symphony Orchestra eingespielt. Protzen und klotzen pur also. Aufgenommen wurde in den Electric Ladyland Studios, Aufnahmeleiter war Eddie Kramer. Der Plan war, Jobriath als den ersten schwulen Rock’n’Roll Star gross zu machen, oder mit den Worten von damals: „The True Fairy of Rock’n’Roll“. Erstaunlich war, wie sich Jerry Brandt die weltweite Vermarktung und das optische Erscheinungsbild seines neuen Stars vorstellte. Wenn man das heute nachliest, kriegt man schlicht das Grausen. Hier ein Auszug aus der damaligen Tour-Strategie:

„The Show’s Finale would feature Jobriath dressed as King Kong being projected upwards on a mini Empire State Building. This would turn into a giant spurting Penis with a doorway to a Piano for Jobriath, who by the time he got there, would have been transformed into Marlene Dietrich”.

Wenn man sich dieses Vorhaben vor Augen hält und dabei noch die Musik, die Jobriath gemacht hat in diesem Kontext sieht, dann merkt man sehr schnell, dass das alles überhaupt nicht zusammenpasste, und dass hier einmal mehr eine ebenso gigantische wie völlig absurde Kommerzmaschinerie losgetreten werden sollte, in welcher der Akteur unweigerlich scheitern musste. Denn die ganze fragile Persönlichkeit des Künstlers Jobriath Boone wurde von dem in perversem Gigantismus denkenden Brandt hoffnungslos zusammengestaucht. Ein solch aufgeblasenes, absurdes Projekt sucht auch heute noch seinesgleichen. Natürlich scheiterte Jobriath schon nach kurzer Zeit, da halfen auch promotionsträchtige Aktionen wie zum Beispiel ein Live-Auftritt in einem Flugzeug oder Brandt’s Statements („Elvis, The Beatles and Jobriath“) nichts. In England machte man sich lustig über den überkandidelten „Bowie-Wannabe“. Die schon nach sechs Monaten nachgereichte zweite LP „Creatures Of The Street“ wurde zum totalen Flop, obwohl sich darauf die eher rockigeren Titel aus der Electric Ladyland Session des Debutalbums befanden. Jobriath merkte sehr schnell, dass er der gigantischen Erwartungshaltung nicht würde standhalten können und zerfledderte zunehmends im Drogen- und Alkohol-Rausch. Anfang 1975 war alles vorbei, Jobriath reüssierte im Film „Dog Day Afternoon“ als Al Pacino’s Lover, floppte aber auch da. Danach tingelte er als Cloe Berlin durch die Schwulen Clubs und gab Show Tunes aus den 20er und 30er Jahren zum besten, und wenn das nicht zum Leben reichte, ging er der Prostitution nach. 1981 verlor er extrem an Gewicht, erkrankte an Aids. Im November 1982 trat Jobriath ein letztes Mal live auf, anlässlich des 100. Geburtstages des legendären Chelsea Hotels, in welchem er sich vor einiger Zeit eingemietet hatte. Im Juli 1983 rief einer der Hotelmanager die Polizei, weil Jobriath schon mehrere Tage sein Zimmer nicht verlassen hatte. Jobriath war bereits seit mehreren Tagen tot.

Jobriath’s musikalisches Vermächtnis ist nicht gross, und es ist dem Musiker Morrissey zu verdanken – einem grossen Jobriath Fan! – dass er es finanziell ermöglicht hat, die meisten der Songs aus Jobriath’s beiden Alben für Elektra Records wieder zugänglich zu machen. Er hat dabei sowohl bei der Songauswahl, wie auch bei der klanglichen Restauration grosse Sorgfalt walten lassen. So klingen Jobriath’s Songs heute so frisch wie ehedem, und die von Morrissey persönlich zusammengestellte Kompilation „Lonely Planet Boy“ lässt eigentlich keine Wünsche offen. Ich persönlich hätte noch „Oh La La!“ und „Sister Sue“ vom Zweitalbum „Creatures Of The Street“ dazugenommen, um auch die späten Tage des Jobriath, wo er manchmal ungemein rockig zur Sache ging, zu reflektieren. Aber Morrissey hatte schon verlauten lassen, dass er zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht beide originalen Alben auch noch veröffentlichen wolle. Da kann ich dann ja nur hoffen.

Fazit: Jobriath bleibt für mich eine der ganz grossen, leider völlig vergessenen Persönlichkeiten in der populären Musik. Man hätte diesem aussergewöhnlichen Menschen damals wohl jede erdenkliche Plattform bieten können, er wäre wahrscheinlich trotzdem gescheitert. Denn für so fragile Individuen wie ihn war damals wie heute kaum ein Platz auf dieser kaputten Welt.

:laola:
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Mr. Upduff offline
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Betreff: Re: JOBRIATH - Lonely Planet Boy (Same/Creatures Of The Street)  -  Gepostet: 20.07.2007 - 10:20 Uhr  -  
Ich habe von JOBRIATH noch nie was gehört.
Ich hätte diesen Beitrag auch eher überlesen, wenn ich nicht als alter Morrisseyaner hier auf eben seine "Empfehlung" gestoßen wäre.
Und das Line-Up weckt ebenfalls Interesse.

Ich werd mich mal näher um ihn "kümmern".

Erstmal vorab Dir ein Dankeschön für diesen vermeindlichen Kleinod.
Man muß sich verändern, um zu bleiben wie man ist!
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Betreff: Re: JOBRIATH - Lonely Planet Boy (Same/Creatures Of The Stre  -  Gepostet: 20.07.2007 - 10:42 Uhr  -  
Zitat geschrieben von Beatnik
JOBRIATH – Same
JOBRIATH – Creatures Of The Street

(beide Elektra Records, 1973/1974)


Das ist ja `n Ding! Vor wenigen Minuten habe ich genau diese beiden LP`s einem Vinylsammler aus diesem Forum zum Verkauf angeboten! :D

Ich bin auch erst sehr spät auf diesen Künstler aufmerksam geworden und zwar über Umwege durch Scott Walker. Auf der Suche nach raren Scott Walker Songs im Netz, wurde ich vor Jahren bei Napster fündig. Dort wurde ein Song als Kollaboration von Scott Walker und David Sylvian angeboten. Wie ich inzwischen weis, war das natürlich totaler Blödsinn. Der offerierte Song war von der Band Balcony und der Titel hieß "Jobriath". Hier kann man übrigens vier Songs von ihnen hören. Später fand ich dann heraus um wen es in dem Song ging und besorgte mir dann die Alben. Das Jobriath ein so tragisches Ende gefunden hat, ist u.a. auch mit verantwortlich für seinen späteren Kultstatus. In dem Film "Velvet Goldmine" gibt es einige Reminiszenzen an Jobriath. Da ich eigentlich ein CD-Sammler bin, war ich ziemlich froh als endlich eine Werkschau von ihm erschien.
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Betreff: Re: JOBRIATH - Lonely Planet Boy (Same/Creatures Of The Stre  -  Gepostet: 20.07.2007 - 13:02 Uhr  -  
Zitat geschrieben von Beatnik

Denn für so fragile Individuen wie ihn war damals wie heute kaum ein Platz auf dieser kaputten Welt.



Ich kenn den Herren und seine Musik gar nicht, aber deine schöne Vorstellung macht wiedermal neugierig. Und allein für diesen schönen Satz von dir (Zitat oben) gibts einen Ehrenjerry in Gold.

Jerry
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Betreff: Re: JOBRIATH - Lonely Planet Boy (Same/Creatures Of The Street)  -  Gepostet: 20.07.2007 - 13:04 Uhr  -  
Dieser Jobriath erinnert mich an den Film Velvet Goldmine. Könnte das sein, dass der ihm auch gewidmet ist ? Weiß das jemand ? Der Film ist jedenfalls ganz große Klasse.

Jerry
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Betreff: Re: JOBRIATH - Lonely Planet Boy (Same/Creatures Of The Street)  -  Gepostet: 20.07.2007 - 13:32 Uhr  -  
Zitat geschrieben von Jerry Garcia
Dieser Jobriath erinnert mich an den Film Velvet Goldmine.


Schau mal mein obiges Posting. :wink:
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Betreff: Re: JOBRIATH - Lonely Planet Boy (Same/Creatures Of The Street)  -  Gepostet: 20.07.2007 - 13:36 Uhr  -  
@Yahowah: Oh, glatt übersehen, danke dir. Also hatt ich doch recht, Beatniks Erzählung hat mich sehr an den Film erinnert.

Jerry
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Mr. Upduff offline
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Betreff: Re: JOBRIATH - Lonely Planet Boy (Same/Creatures Of The Street)  -  Gepostet: 17.11.2013 - 16:16 Uhr  -  
...habe grad in der SZ die Geschichte des armen Jobriath gelesen...und er hört sich verdammt nach Bowie an...
Man muß sich verändern, um zu bleiben wie man ist!
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