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Michael Bulgakow lesen



Guestuser
 
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Betreff: Michael Bulgakow lesen  -  Gepostet: 04.02.2008 - 12:59 Uhr  -  
Heute möchte ich an dieser Stelle auf ein für mich wirklich einzigartiges Werk der russischen Literatur, der ich sehr verbunden bin, hinweisen, um vielleicht den Ein oder Anderen, der es noch nicht gelesen haben sollte, auf den Geschmack zu bringen....es handelt sich um den Roman

DER MEISTER UND MARGARITA von Michael Bulgakow

Wer war Michael Bulgakow :



Bulgakow, Michail 1891-1940

Er war zuerst Landarzt, dann ausschließlich Schriftsteller. Michael Bulgakow gilt heute als einer der größten Satiriker Russlands. Er hatte zeitlebens unter der stalinistischen Zensur zu leiden; seine zahlreichen Dramen durften nicht aufgeführt, seine Prosa-Stücke nicht veröffentlicht werden. Zu Ruhm kam er erst nach seinem Tod. "Der Meister und Margarita" wurde in den 60er Jahren, der sogenannten "Tauwetterperiode" veröffentlicht. Bulgakow gilt als "mystischer Schriftsteller", der mit seiner Literatur gegen den sowjetischen Materialismus ankämpfte. Mit den offiziellen Schriftstellerverbänden der Sowjetunion verband ihn eine tiefe Feindschaft.


Mir nach, Leser! Ruft er einem irgendwann entgegen. Und so folgt man ihm auf eine groteske Reise durch das stalinistische Moskau des Jahres 1929. Der Teufel höchstpersönlich in Gestalt des Messere Voland hält samt seinem lustigen Gefolge Einzug. Und wie schon angedeutet, er möchte keineswegs Moskau zerstören. Eigentlich ruft nur die Pflicht, mit allerlei untoten Seelen einen Ball zu feiern. Doch die Lust am sadistischen Witz, die Freude an Chaos und Verwirrung sorgen dafür, dass so manche anständige kommunistische Seele zu leiden hat. Man spürt den Spass, den Bulgakow am Schreiben hatte, wenn dem laienhaft-atheistischen Literaturkritiker Berlioz der Kopf abgerissen wird, wenn die Truppe um Voland fast schon albern eine spukende Raserei und einen hypnotischen Rausch überall da entfalten, wo man sie trifft. Da hat Voland als Schwarzer Magier eine Theateraufführung, von der Besucher ohne Kleidung und in höchster Verwirrung hinausgehen, da landen arglose Wohnungsbesitzer und Dichter im Irrenhaus, und der Leser ist überall da dabei, wo der Kater Behemoth und sein Freund Korowjew alias Fagott brüllen, zaubern und hypnotisieren. Alles bleibt aber irgendwie harmlos, kaum jemand stirbt, es ist die unschuldige Freude an Spott gewürzt mit einer Prise Sadismus, welche Sowjet-Moskau in so tiefe Verwirrung stürzt.




„Der Meister und Margarita“ wurde zu Lebzeiten Bulgakows beharrlich verboten, erst in der „Tauwetterperiode“ in den 70ern wurde sie in einer Literaturzeitschrift veröffentlicht. Wäre es nicht politisch zu arg unkorrekt, man könnte das Sowjet-Regime verstehen: Zu viele Andeutungen fallen selbst dem Kind des westlichen Kapitalismus auf. Der gnadenlose sozialistische Materialismus, der jeden, der aufrichtig erzählt, er habe den Teufel gesehen, gerne in die Klapse sperrt. So versteht man auch, dass der gläubige Bulgakow den Teufel als Anwalt des Glaubens über Moskau ziehen lässt, denn was bitte schön zählt angesichts eines praktizierten Atheismuses noch die ewige sich ergänzende Feindschaft zwischen Gott und Satan ?

Aber um nicht vorauszueilen solltet Ihr ganz einfach Bulgakows Aufforderung „Folge mir“ selbst nachkommen, und in einem lustigen und mystischen Besenritt über Moskau fliegen, sich auf diesen hypnotischen Rausch einlassen, mit dem Kater Behemoth über die bittere Ernsthaftigkeit der Realität spotten und in Korowjews Gebrüll einstimmen: „Aber gründlich!“.

Ich habe in den siebzigern die DDR-Erstausgabe gelesen und bin seitdem von diesem Werk fasziniert. . Es nur auf Satire zu beschränken, wird dem geistigen Kosmos dieses Romans nicht gerecht. Man kann da verflixt nachdenklich werden.
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nobbygard offline
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Betreff: Re: Michael Bulgakow lesen  -  Gepostet: 04.02.2008 - 13:06 Uhr  -  
Lang, lang ist es her, dass ich das Buch gelesen habe. Vielleicht sollte ich es mal wieder in die Hand nehmen, wenn es denn noch da ist und nicht bei meiner Exfrau steht, die ja die halbe Bibliothek mitgenommen hat.

Nobby
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Guestuser
 
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Betreff: Re: Michael Bulgakow lesen  -  Gepostet: 04.02.2008 - 13:28 Uhr  -  
Oha, meine BULGAKOW-Lesezeit ist auch schon lange her. "Der Meister und Margarita" ist sicherlich sein wichtigstes Werk.

Übrigens hat seine Ehefrau, Jelena Bulgakowa, unter dem Titel "Margarita und der Meister" wundervolle Erinnerungen, Autobiographisches, Tagebuch-Ausschnitte etc. verfasst. Dieses Buch ist für einen Freund der Werke von Bulgakow absolut empfehlens- und lesenswert !

Rhino-Reiner
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nobbygard offline
Toningenieur
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Betreff: Re: Michael Bulgakow lesen  -  Gepostet: 04.02.2008 - 13:40 Uhr  -  
Damit sprichst Du den Biograpienfreak in mir an, Reinermitdemhorn.

Biographien sind mir manchmal wichtiger als das Werk selbst, weil sie die Zeit beschreiben. Ich habe zum Beispiel 3 oder 4 Biographien von Franz von Assisi gelesen, obwohl ich nicht unbedingt ein religiöser Mensch bin, aber dieses Leben hat mich schon gefesselt. Als Parrallele zu meinem Sammelleidenschaften-Thread: Natürlich stehen von allen genannten (auch einzelnen Malikautoren) Biographien in meinem Regal, teilweise auch Briefwechsel, so besitze ich alleine über Wieland Herzfelde, den Gründer des Malik-Verlages diverses an autobiographischen Veröffentlichungen, Biographien und Briefwechsel mit diversen Größen der Literatur.

Nobby
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