√Āra - Vuoste Vird√°i

 
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√Āra - Vuoste Vird√°i

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Gepostet: 10.04.2014 - 19:44 Uhr  ·  #1
√Āra - Vuoste Vird√°i

"Vuoste Virdai", das bedeutet 'Against The Stream', also 'Gegen den Strom'. Dies ist das zweite Album der finnischen Band √Āra und gegen den Mainstream stemmt sich diese Musik mit Sicherheit. Doch welche Freunde mag sie finden? Vermittelt wird das Gef√ľhl der Weite schneebedeckter Landschaften, Einsamkeit und gleichzeitig von Fremde und R√§tselhaftem.

Im Mittelpunkt dieser Musik steht die Interpretation des Joik. Joik, das ist der Gesang des Volksstammes der Samen, der Ureinwohner Lapplands. Verwandt ist er mit dem Jodler, neben reiner Stimmf√ľhrung ohne Text k√∂nnen aber auch Textzeilen enthalten sein. Joiks erz√§hlen vom oft harten und entbehrungsreichen Leben in der Polarregion, von Personen und auch Tieren. International bekannt wurde diese Art des Gesangs zum Beispiel durch die K√ľnstlerin Mari Boine , obwohl diese nicht mehr die Urform pr√§sentierte, sondern nur als Element ihrer samisch gepr√§gten Musik.

√Āra vollzieht den Br√ľckenschlag zwischen der Tradition der Sami und der Moderne, und scheint Visionen bereit zu halten, ihre Kreativit√§t spricht f√ľr sich, ihr Verm√∂gen, eine ganz anders klingende Musik erschaffen zu haben, stellt sie f√ľr mich ganz nach oben hinsichtlich der Gestaltung von Neuem. Gleicherma√üen scheint diese Musik nach vorn zu schauen, und auch zur√ľck, doch empfinde ich es so, dass die R√ľckschau keine nur sentimentale ist, sondern mehr ein warnender Fingerzeig auf das, was wir einmal hatten, an Gutem, an Sch√∂nem, an unber√ľhrter Natur, und die Vorschau f√ľr mich bedeutet, hinsichtlich der Realit√§t, dieses Alte zu bewahren und behutsam in die Zukunft zu f√ľhren. Und genau diese Tatsache, dass dieses aktuell nicht geschieht, sondern ganz im Gegenteil unsere Erde nach und nach zerst√∂rt wird, l√§sst mir diese Musik wie eine Art Protest erscheinen.

Die Texte handeln im Wesentlichen von der Natur, vom Werden und Vergehen, vom Leben im Jetzt mit der Erinnerung an die Verstorbenen, die man wiedersehen wird. Anweisungen, allen Anfeindungen zum Trotz stolz darauf zu sein, Sami zu sein, Mutter Erde wird um Verzeihung gebeten. Vieles erscheint mir sehr √§hnlich im Umgang mit der Natur, wie ich es von den Ureinwohnern Amerikas, den Indianern, kenne. Und so klingen auch viele Melodien, gerade dann, wenn modernere Elemente ausbleiben, als Beispiel sei "Gustu" in der Eingangssequenz genannt. Sp√§ter beginnt der Song leicht zu swingen, die E-Gitarre bringt aufregende Elemente mit ein und dar√ľber immer wieder dieser absolut traditionell gehaltene Gesang.

Diese Musik ist oft sehr bewegend, vor allem der letzte Song, "Speadj√°rn√°vdi", erzeugt kalte Schauer und G√§nsehaut. Ein weiterer 'G√§nsehauttitel', hier auch durch die eindringliche Verwendung von Trompete und gestrichenem Bass, ist "Gii", das ist ein unglaublich nahegehendes Beispiel f√ľr Fusion verschiedener Elemente. Und so ergibt sich mit jedem einzelnen Song etwas Neues zu entdecken. Diese Platte ist eine wahre Fundgrube f√ľr Entdecker und offene Ohren, moderner und beherzter habe ich Folkmusik schon lange nicht mehr geh√∂rt.

"Vuoste Virdai" wirkt fremd, mystisch, unzug√§nglich, wie aus einer anderen Welt, der Einsatz von Trompete und Fl√ľgelhorn gibt Raum f√ľr jazzige Elemente, l√§sst diese manchmal wie im Raum 'flattern' und zusammen mit der gesamten Musik ganz einfach schweben. Die im Booklet abgedruckten Worte in samischer Sprache finden wir mit englischer √úbersetzung, und oft f√§llt es mir schwer, √ľberhaupt Textbrocken auszumachen in dieser Gestaltung des jeweiligen Joiks.
Aufgenommen wurde das Album im Jahre 2012 im schwedischen Hol und finanziert durch das 'Swedish Saami Parliament' und das 'Saami Council'. Schön, dass es in anderen Ländern noch solche Kulturförderungen gibt.

Ach ja, nebenbei: Diese Musik ist dermaßen ungewöhnlich und ungewöhnlich gut, dass ein klarer Tipp ausgesprochen wird! Die letzten Worte gehören der Band:
¬ĽThank you nature, life and happiness for allowing our existence, thank you death and constant change for teaching us and showing us our place in the whole.¬ę

Simon Iss√°t Marainen (jojk, lead vocals, lyrics)
Axel Olle Sigurd Andersson (keys, guitar)
Johan Asplund (trumpet, flugelhorn, backing vocals)
Daniel Wejdin (bass, double bass)
Christian Augustin (drums, clarinet, synthesizers)
Frida Johansson (keys, violin, backing vocals)


01:Nils-Heaika (1:38)
02:Randi (3:03)
03:B√°lvaleaddjit (3:36)
04:Gii (5:20)
05:Gustu (4:45)
06:Tyra (4:45)
07:Miessi (4:27)
08:√Āigi (4:31)
09:Nils-Vulle (5:55)
10:Leage S√°pmelas (3:38)
11:Rievssahas (5:07)
12:Speadj√°rn√°vdi (6:26)

VIDEO zum KUCKEN:

http://vimeo.com/75477123


Wolfgang

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Re: √Āra - Vuoste Vird√°i

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Gepostet: 10.04.2014 - 21:24 Uhr  ·  #2
Zitat geschrieben von firebyrd
Vermittelt wird das Gef√ľhl der Weite schneebedeckter Landschaften, Einsamkeit und von Fremde und R√§tselhaftem.


Genau die drei richtigen, bei mir positiv besetzten Schl√ľsselbegriffe genannt, um einen gewissen Reflex auszul√∂sen ;-)

Schade, das Clarence da nicht mehr mitmachen konnte, dann w√§ren alle Schl√ľsselbegriffe drin gewesen.

trurl
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Re: √Āra - Vuoste Vird√°i

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Gepostet: 11.04.2014 - 18:22 Uhr  ·  #3
so, erster Höreindruck

interessanterweise kommt bei mir trotz Joik eher eine "amerikanischer Westen"-Stimmung auf. Ich sehe irgendwie geistig vor meinen Augen Cowboys am Lagerfeuer sitzen nach harter Arbeit. Die Musik strahlt f√ľr mich weder eisig-k√ľhle Stimmungen aus, sondern ist entspannt laidback. Es ist aber ein klasse Album. Aber wo bekomme ich nun den Erstling her :-)?


trurl
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Re: √Āra - Vuoste Vird√°i

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Gepostet: 17.04.2014 - 06:53 Uhr  ·  #4
vielen Dank f√ľr die Vorstellung, sch√∂n geschrieben. :D
Da werde ich mich Intensiv reinh√∂ren m√ľssen, ich kenn einfach zu wenig davon.
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Gepostet: 17.04.2014 - 19:59 Uhr  ·  #5
Zitat geschrieben von Trurl

so, erster Höreindruck

interessanterweise kommt bei mir trotz Joik eher eine "amerikanischer Westen"-Stimmung auf. Ich sehe irgendwie geistig vor meinen Augen Cowboys am Lagerfeuer sitzen nach harter Arbeit. Die Musik strahlt f√ľr mich weder eisig-k√ľhle Stimmungen aus, sondern ist entspannt laidback. Es ist aber ein klasse Album. Aber wo bekomme ich nun den Erstling her :-)?


trurl


weder....., und noch???

Yeah, jeder friert auf seine Weise... :D
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Gepostet: 18.04.2014 - 12:13 Uhr  ·  #6
Zitat geschrieben von firebyrd

Zitat geschrieben von Trurl

so, erster Höreindruck

interessanterweise kommt bei mir trotz Joik eher eine "amerikanischer Westen"-Stimmung auf. Ich sehe irgendwie geistig vor meinen Augen Cowboys am Lagerfeuer sitzen nach harter Arbeit. Die Musik strahlt f√ľr mich weder eisig-k√ľhle Stimmungen aus, sondern ist entspannt laidback. Es ist aber ein klasse Album. Aber wo bekomme ich nun den Erstling her :-)?


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weder....., und noch???

Yeah, jeder friert auf seine Weise... :D


das noch habe ich vergessen vor lauter Lagerfeuerromantik :-)

trurl
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